Abenteuer ohne Schläuche

Nahezu jeder große und kleine Hersteller ging auf das große Abenteuer der schlauchlosen Systeme. Die Idee von einem schlauchlosen Reifen, für das Fahrrad, ist sehr alt und ihre unterschiedlichsten Umsetzungen werden ständig weiter entwickelt. Zudem finden sie im Mountainbike und Rennrad Bereich immer mehr Anhänger.

Das Abenteuer von Schlauch und Reifen

Aus dem Rennrad Bereich stammt die Idee der Schlauchreifen. Dieses System vereint den Schlauch und den Reifen in einem. Die Felgen und die Schlauchreifen sind auf einander abgestimmt. Die herkömmlichen Clincher Felgen sind nicht mit Schlauchreifen kompatibel und auf Schlauchreifen Felgen können keine Clicncher Reifen montiert werden. Der Reifen wird auf der Felge aufgeklebt. Diese Prozedur ist langatmig und kann je nach Hersteller 48 Stunden beanspruchen. Der Vorteil dieser Technologie ist der Gewichtsvorteil gegenüber dem Clincher System. Die Schlauchreifen finden meist auf Rennrädern Verwendung. Bei einem Plattfuß muss der gesamte Reifen ausgewechselt werden, falls die Dichtmilch nicht mehr hilft. Für Fahrradgattungen wie Cityrad, Trekkingrad und Reiserad ist dieses System absolut untauglich. Selbst in sportlichen Bereichen verliert der Schlauchreifen langsam seine Vormachtstellung an die Tubeless Systeme.

Das Abenteuer von Reifen und Dichtmilch

Die Tubeless Systeme erobern langsam aber sicher die Fahrradwelt. Besonders auf dem Mountainbike hat sich Tubeless etabliert. Das System wurde von der Firma Stan`s Salonfähig gemacht. Das System ist zwar sehr einfach, aber es erfordert hohe Qualität der verwendeten Komponenten. Die Fertigungstoleranzen müssen sich auf einem Minimum bewegen. Das Felgenbett muss absolut Luftdicht sein. Das wird bei herkömmlichen Felgen durch spezielle, selbstklebende Felgenbänder erreicht. Manche Hersteller gehen so weit und verwenden andere Speichennippel Systeme um keine Bohrungen im Felgenbett vornehmen zu müssen. Solche Felgen können ohne Felgenband gefahren werden. Der Reifen wird einfach auf die Felge aufgezogen und aufgepumpt bis er stramm an dem Felgenhorn anliegt. Daraufhin wird die Luft wieder aus dem Reifen gelassen und der Reifen wird mit der Dichtmilch befüllt. Dann den Reifen erneut aufpumpen und es kann los gehen.

Das Tubeless System gilt als besonders Pannensicher, es kann mit sehr niedrigem Reifendruck gefahren werden und es ist deutlich leichter als Schlauchgebunde Systeme. Durch den niedrigen Reifendruck steigt die Traktion und Mangels Schlauch besteht keine Gefahr von Snakebites. Bei kleineren Durchstichen dichtet die Dichtmilch binnen Sekundenbruchteilen die schadhafte Stelle ab. Schlauchplatzer bei langen Abfahrten mit einem Rennrad gehören damit der Vergangenheit an.

Einige Vorteile dieser Technologie erweisen sich aber gleichzeitig als Nachteile. Der niedrige Reifendruck erhöht die Traktion begünstigt aber Durchschläge die häufig zur Verformung der Felge führen. Besonders ärgerlich beim Fahrrad mit Felgenbremsen. Durch den sehr niedrigen Reifendruck kann der Reifen bei hohen Belastungen verrutschen und es kommt zum „Burping“ ( Luftverlust). Bei grösseren Beschädigungen des Reifens versagt die Dichtmilch und es muss ein Schlauch eingelegt werden um weiter fahren zu können. Also muss man dennoch einen Ersatzschlauch mit sich führen. Werden die Fertigungstoleranzen nicht eingehalten, mausert sich das Aufpumpen eines schon aufgezogenen Tubeless Reifens zu einem wahren Abenteuer. Wir haben schon einige Fälle erlebt, bei den das Aufpumpen schlicht nicht funktioniert hat, trotz eines Kompressors mit einem riesigen Volumen.

Abenteuer mit zwei Reifen, einem Schlauch und Dichtmilch

Schwalbe hat das Procore System entwickelt. Dieses Konstrukt besteht aus zwei Reifen und einem Schlauch. Zuerst wird der Innere Reifen aufgezogen und ein Schlauch wird in ihn eingelegt. Als nächstes wird der „äußere“ Reifen aufgezogen und er wird mit Dichtmilch gefüllt. Dann wird erst der innere Reifen und darauf folgend der äußere Reifen auf den gewünschten Reifendruck aufgepumpt. Diese Konstruktion, von Schwalbe, soll verhindern, dass Durchschläge die Felge beschädigen und sie ermöglicht gleichzeitig, daß der äußere Reifen mit noch weniger Luftdruck gefahren werden kann als ein herkömmlicher Tubeless Reifen. Das wiederum soll die Traktion erhöhen. In Puncto Gewicht steht Schwalbe Procore ganz hinten in der Reihe. Schwalbe Procore ist der etwas merkwürdige Versuch die Nachteile eines Tubeless Systems mit einem Schlauch zu kompensieren. Procore ist sehr teuer und bietet keinen besonderen Mehrwert für den Biker.

Das Tubeless System hat noch einige Kanten und Enden die Rund geschliffen werden müssen. Dennoch beinhaltet es viel Potenzial den Fahrradmarkt der Zukunft zu erobern. Bis dahin verbaut tengu bike auf seinen Kreationen Schläuche und zwar am liebsten die von Foss.

 

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