Hollandrad – ein englischer Dinosaurier

Das Hollandrad erfreut sich im nordischen Flachland großer Beliebtheit. Der Ursprung dieser Fahrradgattung liegt in England. Heute noch deutlich am Lenker, dem englischen Bügel, zu erkennen. Das englische Tourenrad, meist mit 28 Zoll Rädern, war das Vorbild für den weiteren Werdegang. Das Konzept dieser Fahrräder ist sehr konservativ und ist seit den 1920er Jahren fast unverändert.

Die verwendeten Materialien sind sehr minderwertig im Vergleich mit den heute üblichen Legierungen. Das Fahrrad ist dadurch extrem schwer. Zudem bestehen die Ausfallenden am Rahmen und Gabel aus gepresstem und geschlitztem Rohrende. Die Qualität der verbauten Komponenten ist auch sehr minderwertig und entspricht in den wenigsten Fällen den aktuellen Anforderungen. Das Konzept von einem Hollandrad beruht auf der Philosophie die verwendeten Systeme so simpel wie möglich zu halten. Daraus sollen Langlebigkeit und Wartungsarmut resultieren. Die Philosophie ist sehr interessant, die Umsetzung hätte allerdings nicht schlechter ausfallen können. Die aufrechte Sitzposition ist maximal für das Flachland geeignet. Selbst dort wird sie bei geringstem Gegenwind, wie im Norden üblich, zum Nachteil. Mit einem Hollandrad einen Berg zu erklimmen wird eine echte Herausforderung.

Das Hollandrad in der Stadt

Durch den langen Radstand ist zwar ein guter Geradeauslauf gewährleistet, aber die Wendigkeit fällt entsprechend katastrophal aus. Auch der Körper nahe Lenker macht das Manövrieren zu einer müssigen Angelegenheit. Besonders in der Stadt ein großer Nachteil. Der unermüdliche Widerstand der Hersteller von Hollandrädern gegen das Neue hat dazu geführt, daß immer noch die gleichen Systeme wie vor 50 oder 100 Jahren verbaut werden. Allerdings scheint es einigen der Herstellern entgangen zu sein, daß nur die Systeme gleich geblieben sind und die verwendeten Materialien sich deutlich verschlechtert haben. Eine Velosteel Nabe ist einfach nicht mit einer Sachs Torpedo Nabe aus den 1950er Jahren zu vergleichen. Weder in der Haltbarkeit, noch in der Performance kann die Velosteel Nabe der Sachs das Wasser reichen. Das Gleiche gilt auch für den Vergleich zwischen einer Sram 3 Gang und einer Sachs Torpedo 3 Gang Nabenschaltung, auch wenn Sram Sachs aufgekauft hat und über das entsprechende KnowHow verfügt. Dabei darf man nicht vergessen, daß selbst die Performance der Sachs Naben, im besten Fall, mittelmäßig war. Häufig trifft man ein Hollandrad mit Trommelbremsen an. Diese werden mit einem Gestänge oder mit einem Bremszug angesteuert. Die Trommelbremse bietet wenig Bremskraft und ist komplizierter aufgebaut als z.B. eine V-Brake. Zudem erfordert die Trommelbremse speziell verstärkte Gabeln. Das Gestänge ist sehr anfällig und durch die weichen Umlenkbleche am Rahmen macht es einen guten Druckpunkt fast unmöglich. Im Grunde ist das ein verzweifelter Versuch Motorradtechnik der 1950er Jahre am Fahrrad anzuwenden. Der Kettenkasten ist meist geschlossen und macht es dem Laien unmöglich an die Kette zu kommen. Ist man nicht Technik affin, darf man bei abgesprungener Kette das Fahrrad nach Hause schieben. Einen Schlauchwechsel macht der Kettenkasten unnötig kompliziert. Diese Bikes bringen dem Fahrer keinerlei Vorteile. Leider werden diese Bikes immer noch viel zu oft und in miesester Qualität gefertigt und im Fahrradladen angeboten. Der Kunde wird meist durch schicke Farben und ein klassisches Erscheinungsbild irregeführt.

Das Hollandrad – ein Fossil aus dem Norden

Von welcher Seite man das Thema auch beleuchtet, bleibt das Hollandrad ein Relikt aus vergangener Zeit, das höchstens noch durch seine Ästhetik begeistern kann. Es gibt höchstens noch ein paar kleine Schmieden, die sich dieser Fahrradgattung, ob als Tiefeneinsteiger oder als Diamantrahmen, gewidmet haben und feine Bikes in Kleinserie fertigen.

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