Gazelle ist Omas Lieblings Drahtesel

Gazelle und der Hype um diese Fahrräder sind zwei Faktoren, die uns die Haare zu Berge stehen lassen sobald wir mit diesen Themen konfrontiert werden. Die Gründe für diese Aversion sind vielschichtig und wir werden versuchen sie hier so sachlich wie möglich zu beleuchten.

Gazelle wurde 1892 im niederländischen Dieren als Familienunternehmen gegründet. Mittlerweile ist Gazelle eine AG und gehört einer der grössten niederländischen Holding Gesellschaften, die Ihr Geld unter anderem mit Baumaschinen, Logistik und diversen Serviceleistungen verdient. Alleine diese Tatsache lässt vermuten, daß Gazelle eine rein profitorientierte Firma ist und nicht viel mit den tatsächlichen Bedürfnissen der Fahrer gemein hat. Geschweige denn mit der Fahrradkultur. Die Werbung von Gazelle versucht dem Fahrradfahrer häufig das Gegenteil zu suggerieren. Leider ist diese Verkaufstrategie oft erfolgreich.

Das gekrönte Hollandrad

Aufgrund des 100 jährigen Firmenjubiläums wurde der Firma das Attribut „königlich“ beigefügt. Königlich ist in unseren Augen nur die Anzahl der verkauften Fahrräder, die sich mittlerweile auf über Zehn Millionen Exemplare beläuft. Mit etwa 350.000 produzierten Fahrrädern pro Jahr unterstreicht Gazelle die Stellung als großer Anbieter auf dem Fahrradmarkt. Solch aggressive Verkaufspolitik zerstört die Möglichkeiten für viele kleine Schmieden, ihr Potenzial auf dem Fahrradmarkt erfolgreich und dauerhaft zu etablieren. Das ist in unseren Augen ein Misstand, der dazu führt, daß dem Endkunden immer noch zu oft Standardlösungen untergeschoben werden und nicht ein optimal passendes Fahrrad.

Gazelle im Auto

Das Kinderfahrrad Segment bedient das Unternehmen mit einem einfachen Hollandrad. Dieses wurde lediglich auf 20 Zoll oder auf 26 Zoll geschrumpft. Das Kinderrad hat die gleiche Rahmengeometrie wie das Modell für Erwachsene. Das Gewicht des 26er liegt bei 21,9kg und das 20 Zoll Hollandrad wiegt stolze 16,9kg. Dieses Fahrrad wiegt halb so viel wie das Kind für das es bestimmt ist. Seinem Kind so ein Fahrrad zuzumuten ist der beste Weg einen überzeugten Autofahrer groß zu ziehen. In den 70er und 80er Jahren produzierte Gazelle das eine und das andere Rennrad Modell. Die Spitzenmodelle wurden aus Reynolds 531 Rohrsatz gefertigt. Je nach Modell war das Rennrad von Gazelle meist im mittleren Segment angesiedelt. Es stellte nie eine ernst zunehmende Konkurrenz für die zeitgenössischen Rennrad Schmieden dar.

Was macht Gazelle so besonders

Das Erscheinungsbild der Classic Linie mutet sehr klassisch an und hat nach wie vor seine Befürworter. Es gibt auf dem Markt einige kleine Hersteller, die dieses Erscheinungsbild zur Vollendung gebracht haben und es auf dem Fahrradmarkt anbieten. Dazu verwenden sie Bauteile, die zeitgemäß sind und vor allem Langlebigkeit, Funktion und Ästhetik vereinen. Gazelle gehört zu den Massenproduzenten auf dem Fahrradmarkt. Die angebotenen Produkte muten sehr halbherzig an und haben im Vergleich zur Konkurrenz aus den kleinen und feinen Schmieden deutlich mehr Nach- als Vorteile.