Von Irgendwo nach Nirgendwo mit dem Reiserad

Die schönste Art einen fremden Landstrich zu bereisen und zu entdecken ist mit dem Reiserad. Ein Plädoyer für Schneckentempo und Muskelkraft.

Wer in Bremen lebt und die meisten seiner Wege mit dem Fahrrad zurücklegt, wird die Vorteile dieses Verkehrsmittels natürlich schon kennen. Aber erst wer auch mit dem Rad weite Strecken überwindet, wird den Unterschied feststellen. Denn eine der intensivsten Arten der Reise, ist die mit dem Reiserad. Die relativ langsame Geschwindigkeit und offene Fahrweise ermöglichen eine viel tiefergehende Wahrnehmung des bereisten Landes. Das Auto oder die Bahn bringen einen von Punkt zu Punkt, aber lassen nur einen oberflächlichen Blick auf das Land zu. Nur wer sich tagelang, über Feldwege und Landstraßen, durch ein fremdes Land bewegt wird auch einen wirklichen Eindruck bekommen. Erst durch diese Entschleunigung wird es möglich eine einzigartige Sicht auf die Fremde zu gewinnen.

Von Bremen aus mit dem Reiserad ans Ende der Welt

Wer sich dazu entscheidet, die meiste Zeit zu campen und nicht die üblichen Touristenorte heimzusuchen, hat die Möglichkeit eine andere Welt zu entdecken. Als ich eine kleine Reise von Freiburg nach Arles unternahm, wurde mir bewusst wie Ereignisreich jeder Tag werden kann. Nachdem unsere Reisegruppe die französische Grenze überquerte, fanden wir uns auf einmal inmitten eines Seifenkistenrennens wieder. Das erste französische Dorf das wir erreichten, veranstaltete einen kleinen Rummel und ein Seifenkistenrennen quer durch die Siedlung. Ein ähnliche Erfahrung hatten wir wenig später in Lausanne. Durch Warmshowers fanden wir einen Einheimischen der uns die Möglichkeit einer Übernachtung bot. Der Eindruck den wir durch ihn, von Lausanne, erfuhren ist unbezahlbar. Wir lernten seine Freunde kennen und erlebten das Lausanner Nightlife. Alles das wäre uns verborgen geblieben, wenn wir nicht den Kontakt zu den Einheimischen gesucht hätten.

Ich würde die Reise mit dem Rad, allen anderen Transportmöglichkeiten immer vorziehen. Denn kein Fahrzeug bietet dem Individuum so viel Freiheit. Außerdem ist eine mit dem Reiserad überwundene Strecke, eine durch eigene Kraft zurückgelegte Strecke. Das macht für mich die besondere Faszination aus.

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