Wie viel Sicherheit bringt ein Fahrradhelm? Der Faktencheck

Jedes mal wenn wieder ein Mensch ohne Fahrradhelm überfahren wird, fordern übereifrige Politiker eine Helmpflicht. Das dadurch sogar noch mehr Menschen zu Schaden kommen können, wissen die Wenigsten.

Fahrradhelm in Bremen? Nö!

Vor wenigen Wochen erst haben wir auf unserer Facebookseite einen Presseartikel der Bremer Polizei gepostet, die darin von einem verunfallten Radfahrer berichtet. Das aberwitzige dabei ist, das am Ende das Artikels Fahrradhelme empfohlen werden. Anstatt das Problem an der Wurzel zu packen, werden Fahrradfahrer/innen dazu genötigt sich zu Panzern.

In einem Essay beleuchtet Martin Randelhoff mehrere Studien aus Seattle, deren Ziel es war, die Wirksamkeit von Fahrradhelmen festzustellen. Das Ergebnis war, das der entscheidende Faktor bei einem Fahrradunfall nicht der Fahrradhelm ist. Sondern die gefahrene Geschwindigkeit des Radfahrers und eine eventuelle Kfz Beteiligung. Wer also im Blockland, mit einem Rennrad, seine Radtour macht streicht schon mal eine Gefahrenquelle. Das Blockland gehört zum Bremer Umland und gilt als verkehrsberuhigte Zone. Für die tägliche Fahrt, mit dem Gazelle Hollandrad, durch die Bremer Innenstadt kann ein Fahrradhelm durchaus nützlich sein. Doch er wirkt auch keine Wunder. Und die Gefahr, in Form von unachtsamen oder fahrlässigen Autofahrern bleibt weiterhin bestehen.

Fahrradhelmpflicht und die Folgen

Es gibt bis heute keine belastbaren Untersuchen zur Nützlichkeit eines Helmes, dazu auch dieser Artikel der taz. Andererseits belegen australische Studien, das die dortige Einführung einer Pflicht für Fahrradhelme, einen Negativtrend auslösten. Als Folge nahm die Zahl der Radfahrer/innen insgesamt ab. Außerdem wurden mehr Menschen auf dem Bike, bei Unfällen verletzt. Die Schlussfolgerung, das bei zunehmendem Radverkehr das individuelle Risiko abnimmt und bei sinkendem Fahrradaufkommen das individuelle Risiko steigt, lässt sich sicherlich auch auf Deutschland bzw. die Fahrradstadt Bremen anwenden.

Den größten Einfluss auf die Sicherheit der Fahrradfahrer/innen hat das allgemeine Verkehrsklima. Das betrifft vor allem die Infrastruktur, die dafür sorgen muss das alle sicher vorankommen. Der wichtigste Schritt in diese Richtung wäre die Radwege abzuschaffen und ein allgemeines Tempolimit in der Stadt einzuführen. Die Radwege verursachen, durch aufgehende Türen und abbiegende Kraftfahrzeuge, mehr Schaden als Nutzen. Fahrradfahrer/innen werden auf der Strasse deutlich besser wahrgenommen und kommen sich mit den Fußgängern nicht in die Quere. Außerdem rücken damit Menschen auf dem Rad mehr in das Bewusstsein der anderen Verkehrsteilnehmer. Ein generelles Tempolimit, das 30 Stundenkilometer nicht überschreitet, ist in der Stadt längst überfällig. Denn die Durchschnittsgeschwindigkeit von Autos in der City liegt genau in diesem Bereich. Strukturelle Verkehrsprobleme mit verpflichtender Fahrradbekleidung lösen zu wollen, entlarvt nur die Inkompetenz der Menschen die reflexhaft danach fordern. Unser Fazit ist, das diese Entscheidung jeder Mensch selbst treffen muss.

Veröffentlicht in Blog.